5 Fragen an Stephanie Fehringer und Lin Liu
Führung neu denken – Einführung in die Interviewreihe
Führung neu zu denken, ist heute wichtiger denn je. In Zeiten ständiger Veränderung und wachsender Komplexität brauchen Organisationen neue Wege, Verantwortung zu teilen und Potenziale zu entfalten. Genau hier setzt Co-Leadership an - ein Ansatz, der auf Vertrauen, gemeinsamer Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung basiert.
Stefanie Junghans, Expertin für Co-Leadership und Gründerin von Junghans Consulting, begleitet Führungskräfte und Teams dabei, ihr Führungsverhalten grundlegend zu überdenken. Sie hilft ihnen, alte Denkmuster zu hinterfragen, moderne Führungsformen zu erproben und Co-Leadership Schritt für Schritt in der Praxis zu implementieren. Ihr Ziel ist es, Zusammenarbeit, Klarheit und Wirkung in der gemeinsamen Führung nachhaltig zu stärken.
Mit der Interviewreihe „5 Fragen an …“ hat Stefanie Junghans ein wiederkehrendes Format geschaffen, das es ermöglicht, von inspirierenden Persönlichkeiten zu lernen, die Co-Leadership und Shared Leadership bereits aktiv leben. In jedem Interview gibt es Einblicke in echte Praxisbeispiele, persönliche Erfahrungen und die konkrete Umsetzung von gemeinsamer Führung im Alltag.
Die LeserInnen profitieren dabei von praxisnahen Tipps, reflektierten Erkenntnissen und Impulsen, die sie direkt auf ihre eigene Führungsrealität übertragen können. Dieses Format bietet eine wertvolle Möglichkeit, sich weiterzubilden, neue Perspektiven kennenzulernen und zu verstehen, wie Co-Leadership ganz praktisch funktioniert.
In diesem Beitrag von „5 Fragen an …“ spricht Stefanie Junghans mit Stephanie Fehringer und Lin Liu aus der Software-Tech-Branche – Expertinnen mit tiefem Verständnis für moderne Führung und Co-Leadership in der Praxis. Gemeinsam beleuchten sie, wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelingt und welche Erfahrungen den Weg zu echter geteilten Führung prägen.
Lesen Sie weiter und entdecken Sie, wie Co-Leadership und Shared Leadership Ihre Führungsarbeit transformieren und bereichern können.
Interview mit Stephanie Fehringer und Lin Liu
In welcher Branche seid ihr tätig und auf welcher Hierarchie Ebene?
Lin: Wir sind in der Software-Tech-Branche tätig und betreuen vier große Bereiche mit insgesamt circa 18.000 Mitarbeitern. Unser Team besteht inzwischen aus zehn Mitarbeitern.
Wie ist euer Modell aufgebaut und wie teilt ihr euch auf?
Lin: Wir teilen uns die Führung des Teams, aber inhaltliche Themen trennen wir; jeder hat seine Schwerpunkte. Wir führen Einzel-Check-ins mit unseren Mitarbeitern zu ihren jeweiligen Themen durch, aber Mitarbeitergespräche zu Performance und Gehalt führen wir zu zweit. Wir sprechen zweimal die Woche ausführlich miteinander und sind ansonsten über MS Teams im Austausch.
Im Grunde machen wir 50/50 People Management und inhaltliche Arbeit, wobei uns dieses Modell die Möglichkeit gibt, inhaltlich tiefer einzusteigen.
Stephanie: Was ich noch ergänzen würde: Wir nutzen gemeinsame Notizen. Das ist sehr hilfreich, damit man weiß, was der andere mit wem besprochen hat. Wir dokumentieren zwar nicht alles zu hundert Prozent, aber wenn man mit jemandem spricht, notiert man sich die Hauptthemen.
Lin: Ja, ich dokumentiere nicht mehr, als ich es tun würde, wenn ich alleine an dem Projekt arbeitete. Das einzige, was ich mir zusätzlich notiere, sind Entscheidungen oder Informationen, die für Steffis Themen relevant sind. Ansonsten ist es eher themenbasiert und ich mache mir mentale Notizen für die Ablage.
Wieso habt ihr euch für Co-Leadership entschieden?
Lin: Es war für mich ein einfacher Einstieg in die Personalverantwortung. Ich wollte mehr Verantwortung für Menschen übernehmen und es ergab sich die passende Gelegenheit. Außerdem fand ich es charmant, Mitarbeiterführung mit inhaltlichen Themen zu verknüpfen. Ich arbeite sehr gerne an meinen Themen, das brauche ich, wollte aber auch persönlich wachsen.
Stephanie: Vor fünf Jahren habe ich mit Co-Leadership angefangen, weil meine Kinder damals noch klein waren. Ich wollte im Notfall nicht zwischen meinem Team und meinen Kindern entscheiden müssen. Durch das Tandem ist die Führung abgesichert. Zudem finde ich es gut, dass man weiterhin echte Transformationsprojekte betreuen kann, in denen man selbst Hand anlegt. Als Single Manager kann man nicht mehr so viele Projekte selbst begleiten. Ich genieße es, beides zu tun: den Mitarbeitern gerecht zu werden und trotzdem ein Rollenvorbild in der Praxis zu sein.
Lin - du warst in Elternzeit: Wie laufen die Vorbereitungen für Ausstieg und Wiedereinstieg?
Lin: Wir haben tatsächlich schon mehrere Wochen vor meiner Elternzeit darüber gesprochen, welche Themen anliegen und wer was übernimmt. Als ich dann weg war, hat alles reibungslos funktioniert. Man muss dazu sagen, dass unser Team zu diesem Zeitpunkt durch eine größere Veränderung ging und mehrere Mitglieder das Team aufgrund unterschiedlicher Faktoren verließen. Es war eigentlich ganz gut, dass wir fast zeitgleich gingen, da das Team so einen klaren Schnitt machen konnte.
Ich habe meine Themen an Steffi und einige Teammitglieder übergeben. Während der Elternzeit habe ich keine E-Mails mehr geschrieben und mich wirklich rausgehalten. Während meiner Elternzeit war ich regelmäßig mit Steffi in Kontakt. Da sie die Stellung hielt, war mein Wiedereinstieg zeitlich sehr flexibel; ich konnte sogar spontan etwas länger in Elternzeit bleiben.
Was sind die Vorteile dabei, eine Elternzeit oder Kinderplanung überhaupt mit Co-Leadership zu verknüpfen?
Lin: Ich hatte kein schlechtes Gewissen, weil ich darauf vertraute, dass Steffi die Stellung hält. Dass das Team diese Kontinuität und Stabilität behielt, gab mir viel Sicherheit. Als Mutter konnte ich die Elternzeit dadurch wirklich genießen. Ursprünglich wollte ich nach sechs Monaten zurückkehren, merkte dann aber, dass es noch zu früh war. Am Ende waren es neun Monate. Meinen Wiedereinstieg konnte ich mit Steffi abstimmen.
Ich empfinde viel Dankbarkeit und Sicherheit für diese Zeit und bin froh, dass Steffi da war.
Stephanie: Für das Team ist diese Planungssicherheit großartig. Zu dem Zeitpunkt mussten die Ziele für das nächste Jahr definiert werden. Es ist wunderbar für die Mitarbeiter:innen zu wissen, dass die Regeln gleichbleiben und kein Managerwechsel ansteht. Darüber hinaus kehrt
man mit dem beruhigenden Wissen zurück, dass der Job weiterhin besteht und man willkommen ist. Es gab kein Durcheinander durch Interims-Lösungen. Ich habe mich riesig gefreut, als Lin wieder da war, damit wir gemeinsam wieder mehr Projekte stemmen konnten.
Was den Übergang geschmeidig macht, ist die gegenseitige Rücksichtnahme. In den letzten Monaten vor Lins Pause haben wir Entscheidungen oft so getroffen, wie ich es für richtig hielt, da ich letztlich die Konsequenzen tragen musste. Es ist gut, wenn die gehende Person ein Stück weit loslässt.
Lin hat mir das sehr leicht gemacht. Bei der Rückkehr findet man sich viel schneller wieder zurecht. Ich wusste, welche strategischen Projekte anstehen, und konnte sie direkt einweihen. Es gab keine lange Einarbeitungszeit; das Team hat sich gefreut und es ging sofort wieder los.
Nach etwa zwei bis drei Tagen war Lin wieder voll drin und hat mit Vollgas weitergemacht.
Lin: Das Onboarding war sehr einfach. Der Wiedereinstieg war inhaltlich in kürzester Zeit abgeschlossen, eben durch die enge Verbindung zu Steffi. Ich bin im Oktober letzten Jahres zurückgekommen und konnte direkt anknüpfen. Ich war froh, dass mein Job und meine Themen noch da waren – das ist nach einer Elternzeit nicht immer selbstverständlich. Der Wiedereinstieg war nahtlos; gefühlt war ich gar nicht weg.
Stephanie: Das möchte ich unterstreichen. Es ging um strategisch wichtige Programme für die SAP und normalerweise muss man sich nach einer Rückkehr erst wieder beweisen, aber da unser Team stabil blieb und Lin sofort wieder einsatzbereit war, gab es keine Unsicherheiten.
Ergänzungen:
Stephanie: Für mich ist Co-Leadership eine enorme Bereicherung. Ich bin schon lange bei der SAP, aber in diesem Modell entwickelt man sich doppelt so schnell weiter. Niemand kennt und fordert dich so gut wie dein Sparringspartner. Man hat ein hohes Interesse am gemeinsamen Erfolg und gibt sich gegenseitig Feedback, das andere einem vielleicht nicht sagen würden.
Lin: Das kann ich nur unterschreiben. Man hat nicht nur einen gleichberechtigten Kollegen:in an seiner Seite, sondern in gewisser Hinsicht auch einen Coach, der einem den Spiegel vorhält. Diese Diskussionen sind unglaublich wertvoll für die eigene Perspektive. Unser Motto beim Start war "Eins plus eins ist größer als zwei", und jetzt kann ich das absolut bestätigen.
Outro
Ein herzliches Dankeschön an Stephanie Fehringer und Lin Liu für das offene und inspirierende Gespräch über Co-Leadership und Shared Leadership.
Hier einige wichtige Erkenntnisse aus diesem Gespräch:
Co-Leadership schafft Kontinuität statt Vertretung: Selbst während längerer Abwesenheiten wie einer Elternzeit bleiben Führung, Entscheidungen und strategische Projekte stabil. Der Wiedereinstieg gelingt dadurch deutlich schneller und ohne größere Reibungsverluste.
Klare Rollen, intensive Abstimmung und transparente Dokumentation sind die Grundlage für funktionierendes Co-Leadership. Geteilte Verantwortung bedeutet nicht, alles gemeinsam zu machen, sondern Zuständigkeiten bewusst aufzuteilen und sich regelmäßig eng abzustimmen.
Co-Leadership beschleunigt persönliche und fachliche Entwicklung. Der kontinuierliche Austausch mit einem gleichberechtigten Sparringspartner führt zu besseren Entscheidungen, ehrlicherem Feedback und einer steileren Lernkurve als klassische Einzelführung.
Führung ist ein fortlaufender Lernprozess, und Co-Leadership lädt dazu ein, diesen Weg gemeinsam zu gestalten. Vielleicht haben Sie beim Lesen gespürt, welche Aspekte Sie in Ihrer eigenen Arbeit stärken oder verändern möchten. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um diese Impulse für Ihre eigene Führung zu reflektieren: Wie können Sie die vorgestellten Prinzipien von Co-Leadership und Shared Leadership wirksam in Ihren Führungsalltag integrieren? Welche Herausforderungen oder Chancen ergeben sich für Sie und Ihr Team? Diese Reflexion ist ein wertvoller Schritt auf dem Weg zu moderner, geteilter Führung.
Stefanie Junghans, Expertin für Co-Leadership, unterstützt Führungskräfte und Teams dabei, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Sie begleitet Unternehmen auf dem Weg zu nachhaltiger, geteilter Verantwortung und hilft, Co-Leadership gezielt zu implementieren – mit Klarheit, Struktur und Menschlichkeit. Mehr zu ihren Coaching-Angeboten und Beratungen finden Sie auf der Website von Junghans Consulting: HIER
Wenn Ihnen das Interview gefallen hat, freuen wir uns über Ihre Kommentare, den Austausch in den sozialen Medien (LinkedIn) oder das Weiterleiten an Interessierte. So tragen wir gemeinsam dazu bei, moderne Führungskultur weiter zu verbreiten und zu stärken.
Bleiben Sie dran für die nächsten spannenden Interviews in der Reihe „5 Fragen an …“ und tauchen Sie mit uns weiter ein in vielfältige Sichtweisen zu Co-Leadership, entdecken Sie praxisnahe Strategien und lassen Sie sich von Erfahrungsberichten anregen, neue Wege der Führung zu gehen.
Kontaktieren Sie Stefanie gerne, um individuelle Fragen zu klären oder ein persönliches Beratungsgespräch zu vereinbaren. Melden Sie sich außerdem für den Newsletter an, um regelmäßig neue Impulse, Veranstaltungen und Praxisberichte rund um Co-Leadership und Shared Leadership zu erhalten.

