5 Fragen an Patrick Pfalzgraf und Markus Kiesgen
Führung neu denken – Einführung in die Interviewreihe
Führung neu zu denken, ist heute wichtiger denn je. In Zeiten ständiger Veränderung und wachsender Komplexität brauchen Organisationen neue Wege, Verantwortung zu teilen und Potenziale zu entfalten. Genau hier setzt Co-Leadership an - ein Ansatz, der auf Vertrauen, gemeinsamer Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung basiert.
Stefanie Junghans, Expertin für Co-Leadership und Gründerin von Junghans Consulting, begleitet Führungskräfte und Teams dabei, ihr Führungsverhalten grundlegend zu überdenken. Sie hilft ihnen, alte Denkmuster zu hinterfragen, moderne Führungsformen zu erproben und Co-Leadership Schritt für Schritt in der Praxis zu implementieren. Ihr Ziel ist es, Zusammenarbeit, Klarheit und Wirkung in der gemeinsamen Führung nachhaltig zu stärken.
Mit der Interviewreihe „5 Fragen an …“ hat Stefanie Junghans ein wiederkehrendes Format geschaffen, das es ermöglicht, von inspirierenden Persönlichkeiten zu lernen, die Co-Leadership und Shared Leadership bereits aktiv leben. In jedem Interview gibt es Einblicke in echte Praxisbeispiele, persönliche Erfahrungen und die konkrete Umsetzung von gemeinsamer Führung im Alltag.
Die LeserInnen profitieren dabei von praxisnahen Tipps, reflektierten Erkenntnissen und Impulsen, die sie direkt auf ihre eigene Führungsrealität übertragen können. Dieses Format bietet eine wertvolle Möglichkeit, sich weiterzubilden, neue Perspektiven kennenzulernen und zu verstehen, wie Co-Leadership ganz praktisch funktioniert.
In diesem Beitrag von „5 Fragen an …“ spricht Stefanie Junghans mit Markus Kiesgen (links) und Patrick Pfalzgraf (rechts), Regionalvertriebsleiter bei Bauerfeind – Experten mit tiefem Verständnis für moderne Führung und Co-Leadership in der Praxis. Gemeinsam beleuchten sie, wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelingt und welche Erfahrungen den Weg zu echter geteilten Führung prägen.Lesen Sie weiter und entdecken Sie, wie Co-Leadership und Shared Leadership Ihre Führungsarbeit transformieren und bereichern können.
Interview mit Markus Kiesgen und Patrick Pfalzgraf
In welcher Branche seid ihr tätig und auf welcher Hierarchieebene?
Markus: Wir sind in der Hilfsmittelbranche tätig auf der mittleren Führungsebene als Regionalvertriebsleiter.
Wie ist euer Modell aufgeteilt und wie teilt ihr euch auf?
Patrick: Unser Modell ist so aufgebaut, dass wir beide im Tandem ca. 30 Mitarbeiter führen und wir teilen uns die unterschiedlichen Geschäftsbereiche. Dadurch, dass wir drei Geschäftsbereiche haben, ist jeweils einer von uns federführend für bestimmte Bereiche und trifft in Vertretung des anderen Entscheidungen.
Markus: Wir haben klare Absprachen, wer welche Verantwortung trägt. Wenn eine Aufgabe oder E‑Mail zu einem bestimmten Bereich gehört, weiß der andere, dass der zuständige Partner sich darum kümmert. In unseren regelmäßigen Jour Fixes gleichen wir uns ab, damit beide immer auf demselben Wissensstand sind.
Patrick: Auch bei der Mitarbeiterführung stimmen wir wichtige Entscheidungen gemeinsam ab und führen auch Jahresgespräche gemeinsam als Wertschätzung für unsere Mitarbeiter.
Markus: Und auch bei Großkunden sind wir dabei, uns immer mehr zu unterstützen und zusammen zu den großen Terminen zu fahren, um dort zum einen dem Kunden die Wertschätzung entgegen zu bringen und zum anderen, weil wir unterschiedliche Ansätze pflegen und mit unserer Vielfalt das beste Ergebnis für den Kunden erreichen können. Wir arbeiten beide 100% auf der Stelle.
Was hat sich in eurem Leben verändert seit ihr im Co-Leadership arbeitet?
Patrick: Grundlegend hat sich alles geändert, so dass ich es überhaupt nicht mehr missen möchte und mir gar nicht mehr vorstellen kann, wie es war alleine zu führen. Es ist ein ganz anderes Gefühl, den Rücken frei zu haben, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und auch dahinter zu stehen. Es ist für mich das Zukunftsmodell schlechthin.
Markus: Es war natürlich am Anfang eine Umstellung. Du hattest deine Region, warst für deine Mitarbeiter verantwortlich, hattest den kompletten Überblick. Da kommt dann das Thema Loslassen auf, aber auf der anderen Seite entsteht natürlich auch ein riesiges Vertrauen, welches wir nun ineinander und in unsere Fähigkeiten haben. Und aus meiner Sicht ist es eine riesen Bereicherung, weil wir als Typen unterschiedlich sind und wir uns gegenseitig neue Inputs und neue Sichtweisen geben. Da hätte ich oft alleine gar nicht dran gedacht. Es erweitert sich das Know-how, was wir haben und ich möchte es auch auf gar keinen Fall mehr missen.
Patrick: Für mich waren besonders einzelne Schlüsselmoment sehr schön. Zum Beispiel wenn man Entscheidungen abgibt, die man vorher alleine getroffen hätte, aber bei denen man jetzt weiß, dass sie genauso gemeinsam abgestimmt sind und auch vorangetrieben werden. Außerdem hat man dadurch Ressourcen frei, die man anderweitig einsetzen kann. Durch Abstimmungen z. B. über Telefonate konnten wir gemeinsam viel Power entwickeln und dadurch haben wir auch sehr schönes Feedback von unseren Mitarbeitern bekommen. Es ist eben auch nicht so “Wenn Mama ‘nein’ sagt, gehe ich zu Papa”, sondern wir sind wirklich ein Match und transportieren das auch nach außen. Das ist auch das, was uns so erfolgreich macht.
Welche Routinen und Strukturen helfen euch, Klarheit und Effizienz zu bewahren?
Markus: Es war ein langer Prozess bis wir geschafft haben, einen Automatismus zu etablieren. Besonders schwierig war es, den Horizont der Aufgaben genau abzugrenzen, aber mittlerweile ist es uns wirklich in Fleisch und Blut übergegangen, wer welche Aufgaben übernimmt. Auch den Informationsaustausch halten wir wirklich auf einem hohen Niveau. Wir haben unsere fixen Absprachen zweimal die Woche eine halbe Stunde und dann noch spontane Absprachen wie eine kurze WhatsApp, eine E-Mail oder wir nutzen unsere Vetriebskoordinatorin, wo wir gezielt ein Thema abarbeiten, sodass jeder ungefähr den gleichen Wissensstand hat.
Patrick: Wir entwickeln uns stetig weiter und passen unsere Arbeitsweise auch immer dem Markt an, in dem wir uns befinden. Außerdem nutzen wir auch OneNote, wo wir beispielsweise für uns einen eigenen Ordner haben, der nur uns beide betrifft und in den wir auch unsere Koordinatorin mit reinholen und gemeinsam Aufgaben auf dem schnellen Weg bearbeiten.
Welche Vorteile bringt ein Co-Leadership-Modell für den Vertrieb?
Patrick: Also, ich glaube, ein ganz großer Vorteil von Co-Leadership ist, wie sich die hierarchische Führungskultur wandelt. Es ist für uns gar nicht mehr denkbar, dass eine Person alles entscheidet und das gegenseitige Coachen und Entscheidungen treffen, trägt dazu bei, dass das Unternehmen agiler wird. Wir haben beide alt bewährte Dinge losgelassen und sind viel effizienter und schneller beim Treffen von Entscheidungen geworden und das hat wesentlich mit der Führung von uns beiden zu tun. Jeder hat seinen Aufgabenbereich und seine Ressourcen, die er zu verantworten hat und kann sich dann genau darum kümmern. Und gleichzeitig haben wir den Vorteil, auch gemeinsam Entscheidungen zu treffen und das erhöht auf jeden Fall die Geschwindigkeit und Verbindlichkeit.
Markus: Ich glaube, das spielt besonders im Vertrieb eine große Rolle. Ein wichtiges Thema ist die kollegiale Fallberatung: In unseren Runden sitzt so viel Know‑how, dass wir täglich davon profitieren. Wenn wir über Kunden, Mitarbeitende oder neue Ideen sprechen, bringt jeder seine Perspektive ein. Durch diesen täglichen, gemeinsamen Austausch gewinnen wir viele Erkenntnisse, die sowohl uns selbst als auch den Mitarbeitenden und Kunden zugutekommen. So finden wir fast immer eine gute, durchdachte Lösung.
Patrick: Spannend ist, dass wir trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten bisher nie an einen Punkt kamen, an dem wir uns nicht einigen konnten. Auch wenn wir verschiedene Ansätze haben, verfolgen wir am Ende stets dasselbe Ziel. Das Tandem-Coaching wirkt für mich sehr positiv: Es geht nicht darum, wessen Meinung durchgesetzt wird, sondern gemeinsam Lösungswege zu entwickeln. Bisher gab es keinen Fall, in dem wir nicht am Ende eine gemeinsame Entscheidung getroffen und diese einheitlich nach außen vertreten hätten.
Wurdet ihr jemals damit konfrontiert, warum ihr als Männer in Co-Leadership arbeitet?
Markus: Für mich ist diese Frage bisher nie aufgetaucht – weder rückblickend noch aktuell. Erst als wir einmal zusammensaßen und du, Stef, erklärt hast, dass Co‑Leadership oft mit Teilzeitarbeit der Mitarbeitenden assoziiert wird, wurde mir bewusst, dass manche das so sehen könnten. Dass wir als Männer beide in Vollzeit arbeiten, war für mich nie ein Ausschlusskriterium. Die Vorteile des Modells überwiegen deutlich. Ich wurde weder beruflich noch privat jemals gefragt, warum wir als vollzeitbeschäftigte Männer Co‑Leadership praktizieren.
Patrick: Mir ging es genauso – ich wurde darauf nicht angesprochen. Für mich ist das Thema auch irrelevant, weil wir in einer modernen Zeit leben, in der solche Fragen kaum noch gestellt werden. In unserem Führungsteam gibt es zudem auch gemischte Konstellationen (Mann und Frau), und Entscheidungen lassen sich nicht entlang von Geschlecht zuschreiben. Für mich zeigt Co‑Leadership, dass Führung unabhängig vom Geschlecht funktioniert – es gibt kein Schwarz oder Weiß, sondern einfach ein Team, unabhängig davon, ob die Personen männlich oder weiblich sind.
Outro
Ein herzliches Dankeschön an Markus Kiesgen und Patrick Pfalzgraf für das offene und inspirierende Gespräch über Co-Leadership und Shared Leadership. Hier einige wichtige Erkenntnisse aus diesem Gespräch:
Co-Leadership ist eine tolle Möglichkeit, um effizienter und schneller beim Treffen von Entscheidungen zu werden.
Co-Leadership ist auch möglich, wenn beide in Vollzeit arbeiten.
Gemeinsam geführte Jahresgespräche als Co-Leader sind ein toller Weg, um Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern auszudrücken.
Führung ist ein fortlaufender Lernprozess, und Co-Leadership lädt dazu ein, diesen Weg gemeinsam zu gestalten. Vielleicht haben Sie beim Lesen gespürt, welche Aspekte Sie in Ihrer eigenen Arbeit stärken oder verändern möchten. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um diese Impulse für Ihre eigene Führung zu reflektieren: Wie können Sie die vorgestellten Prinzipien von Co-Leadership und Shared Leadership wirksam in Ihrem Führungsalltag integrieren? Welche Herausforderungen oder Chancen ergeben sich für Sie und Ihr Team? Diese Reflexion ist ein wertvoller Schritt auf dem Weg zu moderner, geteilter Führung.Stefanie Junghans, Expertin für Co-Leadership, unterstützt Führungskräfte und Teams dabei, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Sie begleitet Unternehmen auf dem Weg zu nachhaltiger, geteilter Verantwortung und hilft, Co-Leadership gezielt zu implementieren - mit Klarheit, Struktur und Menschlichkeit. Mehr zu ihren Coaching-Angeboten und Beratungen finden Sie auf der Website von Junghans Consulting: HIERWenn Ihnen das Interview gefallen hat, freuen wir uns über Ihre Kommentare, den Austausch in den sozialen Medien (LinkedIn) oder das Weiterleiten an Interessierte. So tragen wir gemeinsam dazu bei, moderne Führungskultur weiter zu verbreiten und zu stärken.Bleiben Sie dran für die nächsten spannenden Interviews in der Reihe „5 Fragen an …“ und tauchen Sie mit uns weiter ein in vielfältige Sichtweisen zu Co-Leadership, entdecken Sie praxisnahe Strategien und lassen Sie sich von Erfahrungsberichten anregen, neue Wege der Führung zu gehen.Kontaktieren Sie Stefanie gerne, um individuelle Fragen zu klären oder ein persönliches Beratungsgespräch zu vereinbaren. Melden Sie sich außerdem für den Newsletter an, um regelmäßig neue Impulse, Veranstaltungen und Praxisberichte rund um Co-Leadership und Shared Leadership zu erhalten.

